bis zum 18. August 2018

Mittelerde brennt, das Auenland steht in Flammen!

Das zwölfte „Rock im Park Leuben" findet erfolgreich seine Höhepunkte.

Sanfte grüne Hügel, verschlafene kleine Dörfer und alte, verwachsene Bäume am Wegesrand: der Weg durch die sächsische Provinz zu dem kleinen Dorf Leuben in der Lommatzscher Pflege wirkt, als würde man durch das Auenland in Mittelerde fahren. Nichts deutet auf das Inferno hin, dem jährlich mehrere hundert junge Menschen aus der Region beiwohnen. Denn Leuben ist einmal im Jahr, immer im August, Schauplatz eines kleinen, wilden, entspannten und qualitativ hochwertigen Rockfestivals, dem „Rock im Park Leuben". Am 14. August 2010 fand das 12. Rock im Park Leuben statt und lockte über fünfhundert Menschen in die Parkbühne Leuben. Das Programm des Festivals hat sich in den vergangenen zwölf Jahren ständig erweitert, Rock im engsten Sinne ist nur noch eine Facette der gebotenen Acts. Die Qualität stimmt, dafür stehen die Organisatoren, vor allem der Rock-im-Park-Leuben e.V. mit ihrem guten Namen. Denn dieses Festival ist von Fans für Fans organisiert. Rock im Park Leuben ist kein kommerzielles Festival, sondern wird von vielen freiwilligen Mitarbeitern, vor allen Dingen jungen Leuten aber auch vielen erfahrenen Organisatoren in mühevoller freiwilliger Arbeit vorbereitet und durchgeführt. Mittlerweile setzt das Festival Standards und bringt gute Musik und Qualität in die Region.

YoungHelp

Als Dankeschön für so viel freiwilliges Engagement schaute sogar Landrat Arndt Steinbach vorbei und verlieh einigen besonders engagierten Mitarbeitern der beteiligten Vereine ein Zertifikat mit dem Namen YoungHelp, das vom Kreisjugendring Sachsen ins Leben gerufen wurde. Mit diesem Zertifikat können Bewerber und Jobsuchende auf ihre Erfahrungen in der geleisteten ehrenamtlichen Arbeit verweisen und so ihre Chancen bei der Bewerbung und Jobsuche erhöhen. Arndt Steinbach war sichtlich beeindruckt von so viel Engagement und verabschiedete sich mit den Worten: „Lasst es rocken!"

The Caps

...hatten auf dem „Rock im Park Leuben" einen schweren Job, sie waren die Opener und mussten ab achtzehn Uhr das Eis im Publikum brechen. Aber diese junge Band aus Dresden meisterte diesen Job hervorragend. Klar, das Publikum machte es sich auf den Rängen in der Parkbühne bequem und ließ die Tanzfläche einsam vor der Bühne liegen. Aber The Caps ließen nicht locker und feuerten munter drauf los. Die zauberhafte Frontfrau Betti beherrschte die Bühne und ließ keinen Zweifel daran, dass sie sowohl stimmlich als auch als Frontfrau einiges zu bieten hat. Am Ende ihres Sets zuckte hier und da ein tanzbereites Knie und wippten die ersten Köpfe im Takt der Musik. Ordentlich Applaus gab es dann noch oben drauf. Gelungener Einstand des zwölften „Rock im Park Leuben"!

Zimmer 3

Der Rock-im-Park-Leuben e.V. und der Mittelsächsische Jugendverein fördern viele junge Nachwuchsbands aus der Region. Beinahe ein Denkmal für diese Aufgabe ist der Proberaum in der Alten Schule in Rüsseina, der im Laufe der Jahre schon viele Bands gesehen und gehört hat. Eine dieser Bands ist „Zimmer 3", oder, wie sie sich kurz entschlossen umbenannten: „Falschgeld". Sie spielen Punk und gaben in Leuben ab neunzehn Uhr auf der Bühne alles, ob Klischee oder nicht.

Smoking Engine

...standen ab zwanzig Uhr beim „Rock im Park Leuben" auf der Bühne. Sie brachten brettharten und punktgenauen Stonerrock mit, kompromisslos, schwer und laut. Hier standen Bands wie beispielsweise Fu Manchu Pate, die dem Genre vor allem in den späten Neunzigern neues Leben einhauchten. Das Publikum und die Kollegen anderer Bands konnten sich den knallharten Argumenten dieser Musik nicht entziehen. Überall standen Menschen breitbeinig mit den Händen in den Hosentaschen da und nickten leicht mit dem Kopf zum fetten Takt der Musik - ein Vorspiel für späteres Headbangen. So verzieh das Publikum der Band gern, dass sie den Zeitplan ihres Auftrittes sprengten. Musik ist halt Musik und Zeitpläne eine ganz andere Sache.

The Artbreakheartshop

Die Band „The Artbreakheartshop" aus Dresden sind so, wie Sonic Youth jetzt leider nicht mehr sind. Sie sind wild, wütend und schräg, Krach ist nicht routiniertes Stilmittel sondern hat bei ihnen noch wirklich was zu bedeuten. Und auf dem „Rock im Park Leuben" 2010 machen sie von Anfang an klar, was Sache ist. Sängerin und Gitarristin Oyemi windet sich in den Noiseorgien, als würde sie gleich Feuer speien. Sie kreischt und schreit, singt und flüstert und findet immer wieder auf verblüffende Weise zum perfekten Zusammenspiel mit der Rythmsection und dem Gitarristen Lemmy zurück. Dessen Gitarre gibt den Wechsel von brachialen Soundgewittern zu berückenden Melodien und Gitarrensoli vor. Die wilde Grungemähne schleudert er im Takt und verschanzt sein Gesicht komplett hinter dieser Strähnenwand. Es leben die Neunziger! Auf ewig! Mit leichter Verspätung kommen The Artbreakheartshop auf die Bühne und stellen gleich mit einem wunderbaren Cover des Sonic-Youth-Songs „100%" die Weichen für die folgenden vierzig Minuten.

Yellow Umbrella

Auf dem „Rock im Park Leuben" 2010 behielten „Yellow Umbrella" die gelben Regenschirme drinnen und ließen dafür die Sau raus. Fast zwei Stunden spielte die Band ihre Songs aus Ska-, Clezmer- und Reggaeland. Sänger und Frontmann Jens Strohschnieder hält die tanzende Menge in den Händen und dirigiert sie von einem Song in den nächsten, gemeinsam erleben sie einen scheinbar endlosen Partyrausch. Mitten im Rhythmus schält sich Jens Strohschnieder aus seinem schwarzen Jackett, tanzt mit entrücktem Lächeln im lässig zerknautschtem Hemd weiter und haut ein paar karibische Akkorde in die Tasten. Die Leute vor der Bühne danken es mit Applaus und Tanzwut.
Noch während des Soundchecks erzählt Jens Strohschnieder am Bühnenrand die Geschichte von einem Festival mit ähnlich cooler Lage: ein Amphitheater an einem steilen, grasbewachsenen Hang im Ruhrpott. Bei Regen sei die Band dort in voller Montur, also in schwarzen Anzügen und weißen Hemden auf der schlammigen Wiese herumgetollt und den ganzen Hang im Schlamm heruntergerutscht. „Der Hang hier hat also noch sehr viel Potenzial!" sagt er mit schelmischem Blick auf die steile Wiese in Leuben, auf deren oberen Rand die Lichterkette mit den bunten Partylichtern vergnügt im Takt der Musik wackelt.

Testsieger

Neulich auf dem „Rock im Park Leuben" 2010: Vor dem Backstageraum lehnt ein Mann mit protziger Designerbrille und viel zu engem Ganzkörpertrainingsanzug in einer Nische an der Wand. Die schütteren Haare kleben schweißgetränkt im Gesicht. Er japst und versucht verzweifelt, einigermaßen Luft zu bekommen. Nur mit Mühe hält er sich auf den Beinen und es ist offensichtlich, dass er gerade sehr schwer gearbeitet hat. Der Mann ist Jerry Mono von der Gruppe „testsieger". „testsieger" waren die Tanzkönige der Nacht beim „Rock im Park Leuben" 2010 und haben ab ein Uhr morgens die Parkbühne gerockt und die tanzwütigen Besucher in Schach gehalten. Nach dicken Zugaben war das der würdige Abschluss eines guten Festivals, das auf hohem Niveau Musik von Fans für Fans präsentiert. Jerry Mono schaut fix und fertig in Richtung Bühne und Publikum. Die Lichter der Bühne zappeln auf seinen Brillengläsern und spiegeln sich auf seiner verschwitzten Stirn. Als er endlich etwas ruhiger atmen kann sagt er „Scheiße! Die hatten richtig Lust! Die haben getanzt und getanzt, ohne wenn und aber!" Das Kompliment geben wir gern zurück, das Set von „testsieger" war gnadenlos: Beats bis zum Umfallen und pure Energie bis zum Schluss. „Die Musik ist aus – ich tanze!"

Die Meute bebt, die Lichter zucken, der Rauch wabert von der Bühne in den morgendlichen Himmel – Mittelerde brennt, das Auenland steht in Flammen. Die Stimmung auf dem zwölften „Rock im Park Leuben" brodelt bis zum Morgengrauen. Das Festival ist an seinem Höhepunkt angekommen und hat es wieder einmal gezeigt: wenn Enthusiasten gemeinsam etwas auf die Beine stellen, ist der Erfolg garantiert. Wir freuen uns auf das dreizehnte „Rock im Park Leuben" und danken allen freiwilligen Helfern des Rock-im-Park-Leuben e.V und des Mittelsächsischen Jugendvereines e.V. und allen ehrenamtlich Engagierten in diesem Land.
Uli Kretzschmar