bis zum 18. August 2018

ein OpenAir, so wie es sein soll!!! - Leuben 2007

Rock im Park Leuben 2007 liegt bereits eine ganze Zeit zurück. Fehlender Schlaf ist sicher längst nachgeholt, alle Nachbereitungsarbeiten erledigt. Und obwohl der Blick des Rock im Park Leuben e.V. schon gespannt auf das nächste Jahr gerichtet ist, gehen die Gedanken gern zurück an diesen 18. August 2007. Die Organisation lief etwas schleppend an. Neben den umfangreichen Aufgaben im Vorfeld wie dem Einholen von Genehmigungen bei den Gemeinden, der Suche nach Bands, der Erstellung von Werbung, mußte sich der junge Verein hinsichtlich eigener Struktur und Position orientieren und Absprachen mit seinen Kooperationspartnern Rainbow Biker Lommatzsch e.V., Mittelsächsischer Jugendverein Rüsseina e.V. und „Offenes Haus" Lommatzsch treffen. Am Grundkonzept hat dies nichts geändert: ein Open Air Event in und für die Region wird von Jugendlichen für Jugendliche gestaltet und soll Plattform für Nachwuchsbands sein.

Alles Hand in Hand

Es gab eine große Liste an Helfern und Helferinnen für dieses Open Air. Auf den ersten Blick konnte einem dabei schon mulmig werden, denn viele zu erledigende Aufgaben und unterstützungswillige Hände und Köpfe alleine genügen nicht. Beides muss auch koordiniert werden. Und die Quintessenz daraus? Die Koordination der Helfer funktionierte prächtig. Jeder wußte, welche Aufgaben bei Vorbereitungen, Durchführung und Nachbereitung in sein Resort gehörten. Probleme diesbezüglich gab es natürlich auch, aber sie sind aufgrund der Größe des Vorhabens sicher (fast) zu vernachlässigen. Es herrschte bereits im Vorfeld eine positive Stimmung, eine Art heimliche Vorfreude. Bei den Vorbereitungen vor Ort lief alles Hand in Hand. Es gab manchen Augenblick, in dem man sich ansah und erstaunt war darüber, daß diese oder jene Aufgabe schon erledigt war. Die Arbeiten an Bühne und Gelände waren nahezu ein Selbstläufer. Kurz vor Einlassbeginn schwappte die Stresswelle dann doch noch auf den Einen oder Anderen über und spätestens jetzt wußte jeder Helfer - es geht los. Alle Schlechtwetterwolken hatten sich scheinbar uns zuliebe verzogen. Der Besucherrekord war trotz des schönen Wetters nicht zu toppen. Aber es war ein friedliches und ausgelassenes Open Air, und man hatte den Eindruck die 700 Gäste gingen zufrieden nach Hause.

Von Großtaten und der Ruhe vor dem Sturm

Musikalisch kann man es nie allen recht machen. Dazu ist das Line Up von Rock im Park Leuben traditionell viel zu gemischt, und mehrere Stilrichtungen von Rock finden ihren Platz auf der Parkbühne. S.C.Roth begleitete das Publikum mit seinen Moderationen durch den Abend. Es ist einfach gut, jemanden zu haben der die Bands vorstellt und etwas über die Veranstaltung erzählt. Bloody Mary begannen zur Überraschung vieler mit einer ordentlichen Metalportion. Auch wenn man es den jungen Gesichtern auf der Bühne kaum zugetraut hätte. Mit einem sensationellen Durchschnittsalter von 15 solche Großtaten wie Master of Puppets zu schmettern und dabei auch noch das gleiche Tempo wie die Originalen beizubehalten zollt wirklich Respekt. Wie in den letzten Jahren, waren zu Beginn noch wenige Leute da, obwohl gerade dieser Mix aus kräftigem Sonnenschein, guter Musik und vielen leeren Flächen eigentlich was ganz Besonderes hat. Es ist sie „Ruhe" vor dem Sturm, das Entspannte Liegen und Sonnen auf der Wiese ohne störende Beine um einen herum. Das Dr. Böhm Quintett war musikalisch genauso mutig wie ihre Vorgänger. Expressive, unkonventionelle Funkmusik, die sich an kein Schema hält und doch irgendwie rund klingt. Phillips Gesang ist für meine Begriffe nicht das Zentrum der Musik, einigen Zuschauern fehlte aber genau das. Vergleicht man mit anderen Bands, die ganz oder teilweise auf den Gesang verzichten, so hört man die Musik des Quintetts mit anderen Ohren. Alle Instrumente (einschließlich des Gesangs) harmonieren gut miteinander und ergänzen sich. So war es auch nicht unerwartet, das für einige Besucher das Dr. Böhm Quintett die beste Band des Abends war (und sogar die beste Band der Welt).

Kämpfer und Durchstarter

Brothers everywhere – raise your hand into the air – 7ieben sind echte „warriors" auf der Bühne. Mit einem Hammersound der einen umhaut, einer energiegeladenen Performance des Sängers, die auch nicht vor kaputten Kleidungsstücken halt machte und einer absolut professionellen Instrumentenbeherrschung schafften sie es die Arena mit dem sitzenden Publikum in ein Musical-Spektakel umzuwandeln. Assoziationen von hartem Rock mit headbangenden Fans sind schlichtweg Klischee. Wenn die Show stimmt und man neben dem guten Ton auch was fürs Auge bekommt bleibt man auch gern interessiert sitzen und nimmt teil an dem was da vor einem passiert. So geschehen in Leuben. Für die Bands hat es den Vorteil das das Publikum trotzdem direkt vor der Bühne ist und nicht irgendwo am Ende des Halbkreises steht. So erstaunt es uns immer wieder, wie die Bands die in Leuben den Anfang machen, so ausnahmslos begeistert sind. Mit Jenix, den Durchstartern aus Zittau, starteten dann endlich auch die Fans durch. Es war ja mittlerweile auch dunkel und so traut man sich dann schon eher als Erster vor die Bühne. Über den Männeranteil der Fans könnte man jetzt spekulieren, aber warum sollte die Sängerin Jenny nicht ihren Trumpf als gutaussehende Frontfrau auch ausspielen können? Fakt ist, das die Band richtig gute Rockmusik spielt, die über „Generationen" anerkannt wird. Es sind nicht nur die bis 18jährigen, die wegen der Jenix-Berichterstattung bei Viva/MTV den Weg hierher gefunden haben, es sind bspw. auch „Ältere" die die Band im Frühjahr in Nossen erlebt haben und schlichtweg wegen der guten Musik hierher gekommen sind. Big Bad Shakin´ sorgten dann für den absoluten Tanz-Part beim Open-Air. Es muss nicht immer Ska sein, auch die guten alten Rock'n'Roller haben es noch drauf. Und das diese Musik unsterblich ist, zeigte die Band dem jungen Publikum, welches einfach nur mit ausgelassenem Tanzen antwortete. Crazy Soeren ist Rampensau und Klaviermalträtierer in Personalunion. Er schenkt seinem Publikum nichts, außer Bier, aber nur gegen das Zeigen männlicher Brustbehaarung.

blos keine Oldies!

Das Feuerwerk fand diesmal auch seinen Weg nach oben in den sternklaren Nachthimmel und war der Startschuß für die letzte Band des Abends - Gran Erupto. Sie lieferten eine Mischung verspielter lateinamerikanischer Rhythmen zu hartem, hardcoreähnlichen Rock. Bis zuletzt wurde so gegen die hereinbrechende Kälte getanzt. Mal wieder ist ein RiPL Geschichte und mal wieder ging alles viel zu schnell. Wir sind froh trotz des aktuellen Besucherschwundes bei regionalen Konzerten, wieder genug Leute da gehabt zu haben, um wenigstens die Ausgaben wieder rein zu bekommen. Was bleibt ist aber auch die Frage, warum bei besseren Wetter (ohne Regen) und so gut wie keinen Parallelveranstaltungen, weniger Leute als 2006 da waren. Für viele der „älteren" Generation ist RiPL nun nichts Besonderes mehr und man erlaubt sich auch mal daheim zu bleiben. Das sollte uns klar machen, dass wir immer wieder die neuen Generationen ansprechen und an der Organisation teilhaben lassen müssen. Denn wer will schon ein OpenAir wo in ein paar Jahren nur noch die Oldies gespielt werden! Am Schluss sei ganz schlicht aber aus tiefster Überzeugung allen Helfern und Helferinnen gedankt! Danke für eine ausgelassene, friedliche und fröhliche Party mit viel guter Musik.

Bands: Gran Erupto | Big Bad Shakin | Jenix | 7ieben | Dr. Böhm Quintett | Bloody Mary