bis zum 18. August 2018

2002 - Ausnahmezustand

Wir schreiben das Jahr Anno 2002 unserer Zeitrechnung. Ich gehe gerade meinem Zivi-Alltag in Lommatzsch nach und schaffe ein paar Senioren nach Hause. Nebenbei bemerkt, schifft es aus allen Rohren. Eine dieser Senioren wollte sich doch tats ächlich am Freibad von ihrer Tochter abholen lassen, und da austeigen und warten, wo jetzt meterhoch das Wasser steht. Ist vielleicht doch nicht die beste Lösung, sage ich zu meinem Zivi-Kollegen und wir bringen sie direkt nach Hause. Unterwegs wird uns bewußt, das das hier keine der üblichen Überschwemmungen ist, aber was das für Ausmaße genommen hat, weiß ja jeder.

Wir stecken eigentlich gerade in voll in der R.I.P.L. 2002 Vorbereitung. Viele unserer Jugendlichen und auch wir selbst helfen aber wo es nur geht, Sands äcke schleppen vor allem! Als die ersten Meldungen vom Ausnahmezustand in Roßwein, Döbeln, Meissen, Waldheim usw. bekannt werden, und fest steht, das der Tag der Sachsen ausf ällt, beginnt das erste mal eine Diskussion darüber, ob eine Veranstaltung wie R.I.P.L. in dieser Zeit überhaupt angebracht ist. Erste Zweifel und viele Anrufe ob es denn nun stattfindet folgen. Wir entscheiden es durchzuziehen, 50 Cent pro Eintrittskarte zu spenden und auch sonst ein großes Spendenglas aufzustellen. Vielleicht brauchen die Leute ja gerade in dieser Zeit etwas Abwechslung. Doch dann mehren sich die Probleme. Die Toi Toi´s befinden sich auf der anderen Elbseite - also schlecht :-( Es müssen also die Toiletten vom Park-Café überansprucht werden. Noch schlimmer, jedoch im folgenden eine der witzigsten Anektoden unserer Open Air Geschichte, ist die Botschaft der Riesaer Firma, das sie uns das Aggregat für den Strom nicht ausleihen kann. Grund dafür ist der Einzug aller Aggegate durch das THW und anderer Organisationen. Es gibt also weit und breit keins dergleichen, unzählige Anrufe verdeutlichen dies. Eine Odysee zu allen möglichen Firmen, Bauern, Privatleuten, die so ein Ding haben könnten beginnt.

Wir brauchen ein Aggregat - egal welches!

Ich erinnere mich, wie wir mit dem Bus der Kirchgemeinde Lommatzsch an dem irgendwie das Nummernschild abgefallen war, in Roßwein an hunderten Soldaten und Polizisten vorbeifuhren. Keine Sau juckte das, die hatten weiß Gott wichtigeres zu tun als Autos mit fehlenden Nummernschilder anzuhalten. Die Erlösung brachte letztlich die Info, das jemand in seiner Scheune noch so ein Teil rumstehen hat, allerdings ist das wohl schon seit Jahzehnten nicht mehr gelaufen. Als es dann in Leuben ankam, staunten wir nicht schlecht. Das Ding war größer als wir dachten und machte auch sonst einen eher archaischen Eindruck. Am Anfang lief erstmal gar nix. Heiko und ein handvoll Leute nahmen sich das Teil zur Brust und schraubten wohl den ganzen Nachmittag dran herum. R.I.P.L. stand immer noch auf der Kippe. Strom für die P.A. hatten wir, aber es hätte passieren können, das ein Baustrahler auf die Bühne gestanden hätte, damit man auch die Bands sieht. Die Zeit wurde knapp und wir mußten den Anfang um 2h verschieben, weil wir ja immer noch keinen Strom hatten. Gegen 18:00 Uhr war es dann soweit: Das Ding erzeugte Strom, irgendwie. Nur wußte keiner wieviel und wie lange. Aber in solchen Momenten sollte man auch schonmal Vertrauen haben.

Das Fazit dieses Abends

Es feierten über 600 Leute ausgelassen und unbeschwert. Eine beträchtliche Summe von über 500€ kam an Spenden für die Hochwasser-Gesch ädigten der umliegenden Dörfer herein. Einige Bands verzichteten auf ihre Gage und spendeten diese an betroffene Freunde und das Aggregat würde wohl heute noch laufen, wenn der Diesel nicht alle wär oder ein genervter Camper das viel zu laute Teil kaputtgedroschen hätte. Diese Erfahrungen haben uns sehr gepr ägt und einmal wirklich gezeigt, wie unsere Arbeit auch best ätigt wird. Vielen Dank nochmal an alle Spender, dem Besitzer des Aggregates und an Heiko, für seine aufopferungsvolle Arbeit am diesem :-) - und Tschüss!

Bands: Victory, Leberschaden, L.O.O.K., The Raptors, Daily Confilct